Fast jede ungarische Gemeinde hat sich seit 2014 entwickelt, allerdings keineswegs im gleichen Tempo. Laut dem Gemeindeindex 2026 des Equilibrium Institute (Egyensúly Intézet) wird die Entwicklungsbahn von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und infrastrukturellen Faktoren gemeinsam geprägt. Besonders wichtig sind das Vorhandensein einer gut ausgebildeten Bevölkerung und die Anbindung an die Hauptstadt. Pestszentlőrinc–Pestszentimre hat sich seit 2014 eindeutig entwickelt: Die Indexpunktzahl stieg um 9 Punkte. Der 18. Platz unter den Budapester Bezirken blieb jedoch unverändert. Was sagen diese Daten über die Entwicklungsmöglichkeiten des 18. Bezirks aus?
Der 2024 vom Equilibrium Institute geschaffene Gemeindeindex vergleicht den Entwicklungsstand von 3.154 ungarischen Gemeinden und der 23 Budapester Bezirke. Auf Grundlage von mehr als 360.000 öffentlich zugänglichen statistischen Daten und 53 Indikatoren untersucht der Index sowohl die aktuelle Lage als auch die Entwicklungsbahn der Gemeinden.
Eine wichtige Erkenntnis der Ergebnisse von 2026 lautet: Zwar haben sich seit 2014 nahezu alle ungarischen Gemeinden entwickelt, das Tempo der Veränderung unterscheidet sich jedoch erheblich. Bei der Bewertung einer Gemeinde oder eines Stadtteils lohnt es sich daher, nicht nur zu betrachten, wo sie heute steht, sondern auch, in welche Richtung und in welchem Tempo sie sich verändert.
Die Analyse des Gemeindeindex zeigt einen besonders starken Zusammenhang zwischen dynamischer Entwicklung und dem Anteil der Hochschulabsolventinnen und -absolventen an der Bevölkerung: Wo der Anteil der qualifizierten Bevölkerung höher ist, zeichnet sich in der Regel eine günstigere Entwicklungsbahn ab.
Aus Sicht der Stadtentwicklung ist das eine wesentliche Feststellung. Die Wettbewerbsfähigkeit einer Gemeinde hängt nicht allein davon ab, wie viel physische Infrastruktur sie errichtet oder wie viele Investitionen sie umsetzt. Mindestens ebenso wichtig ist, ob sie in der Lage ist, eine qualifizierte, wirtschaftlich aktive Bevölkerung zu halten und anzuziehen sowie ein Umfeld zu schaffen, in dem Wissen, Innovation, lokale Wirtschaft und hohe Lebensqualität einander verstärken.
Ein weiterer wichtiger Zusammenhang der Untersuchung ist die Nähe zu Budapest. Die Konzentration von Wirtschaft, Bildung, Arbeitsmarkt und Dienstleistungen in der Hauptstadt kann für eng angebundene Gemeinden einen erheblichen Entwicklungsvorteil bedeuten.
Die unterschiedliche Leistung der Budapester Bezirke zeigt zugleich, dass eine günstige geografische Lage allein nicht ausreicht.
Nach dem Gemeindeindex führt der V. Bezirk, Belváros-Lipótváros, im Jahr 2026 die Rangliste der Budapester Bezirke nach Entwicklungsstand an; er ist zugleich der sich am dynamischsten entwickelnde Stadtteil der Hauptstadt. In der Rangliste folgt der VI. Bezirk, Terézváros, auf dem dritten Platz steht der I. Bezirk.
Hinsichtlich der Entwicklungsdynamik stechen neben dem V. Bezirk auch der VIII. und der XI. Bezirk hervor. Im VIII. Bezirk stehen groß angelegte Stadterneuerungsprozesse hinter den bedeutenden Veränderungen der vergangenen Jahre, im XI. Bezirk unter anderem neue Wohn- und Büroentwicklungen.
All dies verweist auf einen wichtigen Unterschied:
Der aktuelle Entwicklungsstand eines Bezirks und seine Entwicklungsdynamik sind nicht dasselbe.
Ein Stadtteil, der von einer ungünstigeren Ausgangslage startet, kann durch bewusste und konsequente Maßnahmen auf eine schnellere Entwicklungsbahn gelangen. Aus Sicht der Stadtentwicklung ist daher neben der Rangliste die Betrachtung von Richtung und Geschwindigkeit der Veränderung mindestens ebenso wichtig.
Der Gemeindeindex 2026 liefert bereits ein konkretes Bild der Lage von Pestszentlőrinc–Pestszentimre.
Der 18. Bezirk steht 2026 auf Platz 18 in der Rangliste der 23 Budapester Bezirke, seine Punktzahl im Gemeindeindex beträgt 27.
Interessanter ist jedoch die längerfristige Veränderung:
Gegenüber 2014 stieg die Indexpunktzahl des 18. Bezirks um 9 Punkte, während seine Platzierung unverändert blieb.
Die beiden Kennzahlen sollten gemeinsam gelesen werden. Die Veränderung von +9 Punkten zeigt, dass sich der Bezirk im vergangenen guten Jahrzehnt entwickelt hat. Das reichte jedoch nicht aus, damit Pestszentlőrinc–Pestszentimre in der relativen Rangliste der Budapester Bezirke nach vorne rückt.
Die Entwicklung hat also stattgefunden, führte bislang aber nicht zu einem relativen Aufholen unter den Budapester Bezirken.
Aus Sicht der Stadtentwicklung ist genau das eine der interessantesten Fragen. Die Aufgabe besteht nicht einfach darin, die Entwicklung fortzusetzen, sondern darin zu bestimmen, in welchen Bereichen ihr Tempo beschleunigt werden kann und aus welchen besonderen Gegebenheiten des 18. Bezirks sich ein größerer Entwicklungsvorteil als bisher schaffen lässt.
Wenn laut Gemeindeindex der Anteil der Hochschulabsolventen einer der wichtigsten Faktoren für die Entwicklungsdynamik von Gemeinden ist, hat das auch unmittelbare Folgen für den 18. Bezirk.
Es reicht nicht aus, dass die qualifizierte und wirtschaftlich aktive Bevölkerung im Bezirk wohnt, während ihre Arbeit, ihre Inanspruchnahme von Dienstleistungen, ihr kulturelles Leben und ihre sozialen Beziehungen überwiegend an andere Teile Budapests gebunden sind.
Das langfristige Ziel kann ein Bezirk sein, der nicht nur einen Wohnort, sondern auch ein hochwertiges städtisches Leben bietet: vor Ort verfügbare Dienstleistungen, kulturelle und gemeinschaftliche Angebote, Begegnungsorte, attraktive öffentliche Räume, wirtschaftliche Chancen und eine starke lokale Identität.
Das Halten des Humankapitals ist aus dieser Sicht nicht bloß eine Bildungs- oder Bevölkerungsfrage. Es ist auch eine Frage der Stadtentwicklung.
Eine der wichtigsten Besonderheiten des 18. Bezirks besteht darin, dass er zugleich ein Außenbezirk Budapests und eines der prägenden internationalen Tor-Gebiete der Hauptstadt ist.
Der Flughafen Budapest Liszt Ferenc und der mit ihm verbundene Wirtschaftsraum sind eine Gegebenheit, über die die meisten Budapester Bezirke nicht verfügen. Auch die Entwicklungsdokumente des 18. Bezirks benennen das wirtschaftliche Potenzial des Flughafenraums sowie die Nutzung der Torfunktion des Bezirks als strategische Chancen.
Das lässt sich gut mit einer wichtigen Erkenntnis des Gemeindeindex verbinden: Die geografische Lage wird erst dann zu einem echten Entwicklungsvorteil, wenn eine Gemeinde sie in wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und städtischen Wert umwandeln kann.
Die Präsenz des Flughafens garantiert für sich genommen keine schnellere Entwicklung des Bezirks. Die eigentliche Frage lautet, wie viel von der wirtschaftlichen Aktivität, den Arbeitsplätzen, dem Wissen, den Dienstleistungen und der Innovation, die der Raum erzeugt, Pestszentlőrinc–Pestszentimre vor Ort halten und nutzen kann.
In dieser Betrachtung ist die Randlage nicht zwangsläufig ein Nachteil. Mit einer geeigneten Entwicklungsstrategie lässt sie sich in eine Torfunktion und einen Wettbewerbsvorteil verwandeln.
Die nächste Frage lautet, wie sich die vor Ort verfügbaren städtischen Funktionen des 18. Bezirks weiter stärken lassen.
Ein gartenstadtartiges, hochwertiges Wohnumfeld ist ein beträchtlicher Wert. Ein langfristig wettbewerbsfähiger Stadtteil braucht daneben jedoch auch angemessene Dienstleistungs-, Wirtschafts-, Kultur- und Gemeinschaftsfunktionen.
Das erhöht den Stellenwert der bewussten Entwicklung der Bezirks-Subzentren und wichtiger städtischer Achsen, der Verbesserung der Qualität öffentlicher Räume sowie der Prüfung, wie sich Wohn-, Wirtschafts-, Dienstleistungs- und Gemeinschaftsfunktionen besser miteinander verknüpfen lassen.
Die Frage ist also nicht nur, wie Pestszentlőrinc–Pestszentimre ein noch besserer Wohnort werden kann, sondern auch, wie es innerhalb Budapests zu einem eigenständigeren, multifunktionalen Stadtraum werden kann.
Eine der wichtigsten methodischen Erkenntnisse des Gemeindeindex ist der datenbasierte Ansatz selbst.
Die Wirksamkeit der Stadtentwicklung zeigt sich nicht allein daran, wie viele Projekte fertiggestellt, wie viele Investitionen umgesetzt oder wie viele Quadratmeter öffentlicher Raum erneuert wurden.
Die wichtigere Frage lautet:
Wodurch und um wie viel ist der Bezirk besser geworden?
Hat sich die Lebensqualität verbessert? Ist die lokale Wirtschaft stärker geworden? Gelingt es besser, die qualifizierte Bevölkerung zu halten? Haben sich die vor Ort verfügbaren Dienstleistungen verbessert? Sind die Bezirkszentren attraktiver geworden? Ist die Erreichbarkeit besser geworden? Sind die lokalen Gemeinschaften stärker geworden?
Die aktuellen Daten liefern dafür bereits ein gutes Beispiel. Die Entwicklung um +9 Punkte ist eine positive Tendenz, der unveränderte 18. Platz zeigt jedoch, dass eine absolute Verbesserung nicht zwangsläufig ein Aufholen bedeutet.
Bei den Entwicklungen des kommenden Zeitraums lohnt es sich daher, nicht nur die Umsetzung der einzelnen Projekte, sondern auch ihre messbare gesellschaftliche, wirtschaftliche und städtische Wirkung zu verfolgen.
Der 18. Platz des 18. Bezirks sollte daher nicht für sich allein gedeutet werden.
Der Gemeindeindex wirft eine weit interessantere Frage auf: Wie lässt sich die seit 2014 sichtbare Entwicklung so beschleunigen, dass sie sich mit der Zeit auch in der relativen Position des Bezirks innerhalb der Hauptstadt niederschlägt?
Dafür müssen mehrere miteinander zusammenhängende Fragen beantwortet werden.
Wie können wir die qualifizierte Bevölkerung vor Ort halten und hierher ziehen? Wie können wir eine stärkere lokale Wirtschaft aufbauen? Wie können wir die Möglichkeiten des Flughafens und des Tor-Gebiets besser nutzen? Wie können wir die Subzentren des Bezirks stärken? Welche Dienstleistungen und städtischen Funktionen werden gebraucht? Wie können wir die Qualität der öffentlichen Räume verbessern? Und wie können wir die lokalen Gemeinschaften in all das einbeziehen?
Im Verständnis von UrbanLab ist die Rangliste kein Urteil, sondern eine Diagnose.
Die Daten helfen zu verstehen, wo wir starten, in welche Richtung wir uns bewegen und wo die wichtigsten Interventionspunkte liegen. Aufgabe der Stadtentwicklung ist es dann zu bestimmen, wohin wir gelangen wollen, mit welchen Mitteln wir das erreichen können und mit welchen Daten wir belegen können, dass wir dem Ziel tatsächlich nähergekommen sind.
Die Entwicklung des 18. Bezirks um +9 Punkte im vergangenen Jahrzehnt zeigt, dass es etwas gibt, worauf sich aufbauen lässt. Die nächste Herausforderung besteht darin, aus Entwicklung auch Aufholen zu machen.
Equilibrium Institute (Egyensúly Intézet): Gemeindeindex 2026 – vergleichende Untersuchung von 3.154 ungarischen Gemeinden und der 23 Budapester Bezirke; Daten des 18. Bezirks: 18. Platz, 27 Punkte, Veränderung von +9 Punkten gegenüber 2014, unveränderte Position in der Rangliste.
Telex: Emília Madzin: Itt vannak az ország legfejlettebb települései (Das sind die entwickeltsten Gemeinden des Landes), 3. September 2026.
Selbstverwaltung des XVIII. Bezirks der Hauptstadt Budapest, Pestszentlőrinc–Pestszentimre: die Dokumente zur Gemeindeentwicklung und zur integrierten Gemeindeentwicklungsstrategie des Bezirks.